„Es gibt Situationen, in denen nur noch Gewalt hilft“ – cockpornpiraten im Interview mit @hagenbaeumer

Ab in die Höhle des Löwen: in der Woche vor dem außerordentlichen Bundesparteitag der Piraten statten die Cockpornpiraten dem berüchtigten Hagenbäumer einen Besuch ab.

[Update]: Da es wiederholt Fragen gegeben hat: Bei diesem Interview handelt es sich nicht um eine Erfindung, der Interviewte bestätigt den Wortlaut.
[/Update]

Matthias Hagenbäumer

Ich begebe mich nach Niedersachsen in den Harz, meine Reise führt mich nach Osterode, wo ich auf Matthias Hagenbäumer treffen werde. Für mich ungewohnt findet das Interview in privater Atmosphäre statt.
Beinahe erschlagen fühle ich mich von der Unmenge an Büchern, Hunderte, ja Tausende müssen es sein, die in Hagenbäumers Reich warten. Ein sehr belesener Mensch lebt hier, das ist keine Frage.

Auf dem Schreibtisch steht ein alter Computer noch mit Röhrenbildschirm, ein Haufen Papier, einige Bücher. Mir fällt ein Buch auf, auf dem ein grinsender Schwarzer abgebildet ist: “Handbuch für Negerfreunde” lautet  es, von einem gewissen Marius Jung.
Ich will gar nicht wissen, worum es in dem Buch geht.

Sarkastisch frage ich, ob er denn auch “Mein Kampf” in seiner Sammlung hätte, was er mit einem donnernd polternden Lachen beantwortet. Zwei Minuten später halte ich eine aniquarische Version von “Mein Kampf” in den Händen. So viel dazu.

Immer griffbereit beim Hagenbäumer

Ein wenig fühle ich mich wie Mo Asumang in ihrer Dokumentation “Die Arier”, versuche Contenance zu bewahren.

Nach einigen Minuten bekomme ich Kaffee serviert. Die Frage nach Milch verneine ich.
“Also ich trinke ja meinen Kaffee immer hellbraun, so wie meine Hemden.”, wieder dieses raumfüllende donnernde Lachen “Hohohohoho”, bei dem ich mich wundere, dass nicht die Bücher aus den Regalen fallen.

Wir beginnen mit dem Interview.

CPP: Matthias, für einige Piraten und Pirateninteressierte bist Du ja
noch ein unbeschriebenes Blatt. Was hältst Du für die wichtigsten
Stationen Deiner bisherigen politischen Laufbahn? 

Hagenbäumer: Wichtig war wohl meine Arbeit als stellvertretender
Bundesvorsitzender der APPD. Die zuvor und seither bestehenden
Mitgliedschaften in diversen anarchistischen Zirkeln und mein kurzes
aber intensives Gastspiel in der PDS-Niedersachsen waren zwar auch nicht
unwichtig aber nicht so unwichtig wie meine Mitgliedschaft bei den Piraten.

CPP: Deine Stellung als Schriftführer des “Volkstümlichen Beobachters”
findest Du also nicht erwähnenswert? Unsere Leser interessiert das sicher.

Hagenbäumer: Ich war der Schriftleiter, nicht der Schriftführer. Also presserechtlich verantwortlich. Schriftführer war ich nur für die Rubriken „Der jüdische Witz“ und „Die Endlösung des Monats“.

CPP: Wie würdest Du Dich politisch einordnen? Darf man Dich als ‘deutschen Patrioten’ bezeichnen?

Hagenbäumer: Jawoll. Genauer wäre allerdings „preußischer Anarchist.“

CPP: Wie bitte? Preußisch? Also wie ein Berliner quasi?

Hagenbäumer: Preußentum ist eine Geisteshaltung. Es geht dabei unter anderem um Treue, Vaterlandsliebe, Zucht und Ordnung. Alles preussische Tugenden, wie Pünktlichkeit, Kameradschaft und Hingabe an die Sache.

CPP: Hier möchte ich nochmal nachhaken. Siehst Du Dich aufgrund deines Stammbaumes als ‘Biodeutschen germanischer Herkunft’?

Hagenbäumer: Möchtest Du noch einen hellbraunen Kaffee?

CPP: Bitte nicht ablenken. Hast Du viele Nazis in einem Stammbaum?

Hagenbäumer: Was ist ein Nazi?

In diesem Moment fängt Hagenbäumers Handy an zu bimmeln, offenbar kommt eine SMS rein. Moment, waren das gerade die ersten Takte von „Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen“?

CPP: Was hältst Du für die wichtigsten derzeitigen Probleme der Piraten?

Hagenbäumer: Die Piraten sind eine Partei im Sinne des Parteiengesetzes.
Leider verstehen sie nichts von Politik und Gesetzgebung. Ausserdem
können sie weder mit Geld noch mit Menschen umgehen.

CPP: Welche Rolle spielen für Dich die offen Linksextremen unter den
Piraten, und wie kann man dem am Besten Herr werden?

Hagenbäumer: Die sind eine lautstarke radikale Minderheit. Die Piraten

„Kevin Normalpirat“, aus Sicht Hagenbäumers der Archetyp des naiven Piraten (Abbildung ähnlich)

hatten mal ein Problem mit Holocaustleugnern und offen auftretenden Antisemiten. Diese waren für „Kevin Normalpirat“ leichter erkennbar. Linksextremisten sind einer
libertären Grundauffassung wie sie in der Piratenpartei vorherrscht,
wesentlich näher, was deren Wühlarbeit zur Zersetzung der schwachen
demokratischen Strukturen sehr viel einfacher gemacht hat.

CPP: Neuesten Informationen zufolge wirst Du beim außerordentlichen
Bundesparteitag bei dem wie Du es nennst ‘Saalschutz’ (S.S.) eingesetzt.
Wie kam es dazu?

Hagenbäumer: Der Ruf der Partei erging an mich.

CPP: Von wem?

Hagenbäumer: Die Partei verfügt über einen Sicherheitsdienst auf den
Bundesparteitagen. Der Leiter des Sicherheitsdienstes hatte mich als
„Gefährder“ gemeldet bekommen. Nach einem kurzen Telefonat habe ich mich
nach Absprache mit dem Leiter bei der Partei beworben und wurde gegen
den Willen des Bundesvorstandes in das Team berufen. Der Mann und ich sind quasi Kameraden aus dem kalten Krieg, allerdings nicht auf der gleichen Seite. Er hat mich auch zur diesjährigen Sonnwendfeier in seinem Orden eingeladen, aber daran konnte ich aufgrund anderer Verpflichtung leider nicht teilnehmen.

CPP: Siehst Du bestimmte Schwerpunkte in der Tätigkeit bei der
Sicherheit des aBPT?

Hagenbäumer: Den reibungslosen und vor allem gewaltfreien Ablauf
garantieren. Der gemeinsamen Sache dienen.

 

„Es gibt gar keine Rechtsextremen in der Partei“

 

CPP: Vor wenigen Wochen wurdest Du von Oliver Höfinghoff, dem
Mitglied der Berliner Piratenfraktion mit der größten Expertise in
Sachen Antifaschismus, als Rechtsradikaler bezeichnet. Was sagst Du zu
diesen Vorwürfen? Sie werden ja nicht von ungefähr kommen. 

Hagenbäumer: Wenn der Herr Abgeordnete die entsprechenden Tweets nicht
zurücknimmt, werden meine Anwälte gegen ihn Strafanzeige erstatten. Diese
üblen Verleumdungen entbehren jeder Grundlage.
Ausserdem prüfen wir eine Anzeige wegen Verstoss gegen den § 130 StGB, also wegen Volksverhetzung.

CPP: Du folgst mit Deinem Twitteraccount mindestens 20 eindeutig
rechtsextremistischen Twitternutzern, vielen aus dem Umfeld der NPD. Ist
das die “mangelnde Grundlage”?

Hagenbäumer: Ich habe das Recht auf Twitter Jedem zu folgen, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen. Ich folge auch den Linksextremisten die mich bislang noch nicht geblockt haben. 

CPP: Es gibt also gar keine Rechtsradikalen bei den Piraten? 

Hagenbäumer: Nach meiner Kenntnis nicht. Das wäre auch unvereinbar mit
den Statuten und Beschlüssen der Partei.

CPP: Du hast Dich im Zusammenhang mit Anne Helm und dem #Bombergate zu
“Straßenhuren” geäußert. Wie war noch der Wortlaut?

Hagenbäumer: Das weiss ich nicht mehr so genau.

CPP: Es handelt sich um diesen Tweet.


Hagenbäumer: Ja dafür habe ich bereits bei den Straßenhuren entschuldigt, das sogar mehrfach.

CPP: Du stellst Anne Helm also auf eine Stufe mit Straßenhuren ?

Hagenbäumer: Auf gar keine Fall, Straßenhuren sind ehrbare Frauen.
Außerdem bin ich kein Freund der feudalistischen Klassengesellschaft.
Straßenhuren sind deutlich nützlicher und sehr viel wichtiger für die
Gesellschaft als Frau Helm es bislang war.

CPP: Du hast auch dem unter @Ekelias twitternden Menschen damit gedroht, ihm „die Türeinzutreten“ und „ein Hakenkreuz in die Backe zu Ritzen“. 

Hagenbäumer: Das ist mir heute noch peinlich, „ritzen“ ist ein Verb und sollte deshalb klein geschrieben werden.

CPP: Besitzt Du eine Waffe?

Hagenbäumer: Mein Sternzeichen ist Widder. Es gibt die Redewendung „Kein
Widder ohne Waffensammlung.“ Aber Du fragst in der Einzahl. Das kann ich
verneinen.

CPP: Dann anders gefragt, wie viele tödliche und nichttödliche Waffen
enthält Deine Waffensammlung?

Hagenbäumer: In der Hand eines Menschen kann fast jeder Gegenstand zu
einer tödlichen Waffe werden.

CPP: Wie ist Dein Verhältnis zu Gewalt? Hast du jemals zu Gewalt gegen
Menschen gegriffen?

Hagenbäumer: Es gibt Situationen, in denen nur noch Gewalt hilft.
Natürlich im Rahmen der Gesetze des Rechtsstaates

CPP: Und der zweite Teil der Frage? Hast Du jemals zu Gewalt gegen
Menschen gegriffen? Wie viele Menschen hat der Hagenbäumer schon
umgehauen, umgestochen oder gar umgeschossen?

Hagenbäumer: Ich führe keine Aufzeichnungen über derartige Vorkommnisse.

CPP: Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass es beim aBPT zu
Ausschreitungen kommen wird?

Hagenbäumer: Das halte ich für ausgeschlossen.

CPP: Zum Thema #Flaggengate: Welche Sorten von Flaggen sind für Dich
persönlich ein No-Go?

Hagenbäumer: US-Amerikanische und Hakenkreuzfahnen.

CPP: Das bedeutet also: Die Reichskriegsflagge, die Flagge des Deutschen Reichs, die NPD-Flagge, die Flagge der Grünen Jugend, das wäre also alles für Dich kein ernsthaftes Problem?

Hagenbäumer: Die Flagge der Grünen Jugend würde mich ernsthaft abstoßen. Die sind gegen Atomkraftwerke und gegen freie Fahrt für freie Bürger. Außerdem begehen sie ständig Notzuchtdelikte zum Nachteil der deutschen Sprache durch die völlig bescheuerte Unsitte, Substantive zu „gendern“.

CPP: Du hast Deinen Austritt aus der Piratenpartei angekündigt, wie sehen Deine Pläne aus?

Hagenbäumer: Durch den Austritt entziehe ich mich dem Gewaltbereich der Vorstände. Die Piraten sind die Mitmachpartei. Momentan arbeite ich daran, im kommenden Jahr wieder für den Landesvorsitz in Niedersachsen zu kandidieren. Dazu werde ich demnächst auf meiner Wikiseite etwas schreiben.

CPP: Viele Piraten halten Dich für einen rechtsradikalen Gewalttäter. Was sagst Du dazu?

Hagenbäumer: Ich denke, die Abschaffung der Prügelstrafe war ein Verbrechen am deutschen Volk.

CPP: Wir danken für dieses aufschlussreiche Gespräch.

An dieser Stelle breche ich das Interview ab, die in mir aufsteigende Übelkeit hat längst jedes Maß überschritten. Das Angebot, mir die „größte reichsdeutsche Schelllackplattensammlung in ganz Niedersachsen!“ zu zeigen lehne ich höflich und bestimmt ab. Statt dessen sehe ich zu, dass ich so schnell wie möglich aus dem Haus komme. In diesem Haus fühle ich mich nicht sicher.

Während ich hektisch meine Sachen einpacke hat Hagenbäumer bereits die erste Platte aufgelegt. Kurz bevor ich die Tür hinter mir schließen kann höre ich noch die Worte aus dem Uralt-Grammophon:
„Hier ist die Reichssendeleitung mit allen deutschen Sendern, hello hello, this is the German broadcasting company in Berlin…“

Schnell gehe ich über die Straße, und halte mich an einer zierlichen Birke fest. Ich würge ein wenig, und spucke aus. Einatmen… ausatmen… Jetzt geht es mir schon etwas besser. Noch einmal werfe ich einen Blick zurück. Erst jetzt fällt mir auf, wie braun dieses Haus auch von außen ist.

9 Gedanken zu “„Es gibt Situationen, in denen nur noch Gewalt hilft“ – cockpornpiraten im Interview mit @hagenbaeumer

  1. Köstlich! Danke für diesen Beitrag.

    Tja, der Hagenbäumer ist ein großartiger Satiriker, Sarkast und Provokateur. Der kennt jedes jedes Reizwort, das sein Gegenüber triggert und zu pawlowschen Reaktionen reizt.

    Subtilitäten braucht man von ihm nicht erwarten. Er winkt nicht mit dem Zaunpfahl, sondern haut ihn einem sofort über den Schädel und schmeißt noch einen Spiegel hinterher.

    Ich persönlich habe großen Spaß an ihm und seiner provokanten Art. Wer Matthias‘ Holzhammer-Sprüche zu ernst nimmt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

    So manche Piraten springen jedem Stöckchen hinterher, das der Hagenbäumer ihnen wirft. Es ist ein großes Vergnügen, die humorlose Meute heulen zu hören.

  2. Ich bin sehr bekümmert. Das bin ich sowieso, schon allein, weil ich keine Ahnung habe, wie ich mich gendern könnte. Aber gut, da ist ein anderes Thema. Nein, was mich wirklich bekümmert, mehr noch, auf das Äußerste wütend macht, das ist:

    In diesem informativen Artikel findet sich kein einziger Judenwitz. Oh, und auch kein Witz über höchste ADSH-Sachkunde im Landesverband Berlin. Das ist doch scheiße!

    Kleine Frage am Rande: Was kommt dabei heraus, wenn man scheiße gendert? Kackscheiße!

  3. „Mir fällt ein Buch auf, auf dem ein grinsender Schwarzer abgebildet ist: ‚Handbuch für Negerfreunde‘ lautet es, von einem gewissen Marius Jung.
    Ich will gar nicht wissen, worum es in dem Buch geht.“

    Der „grinsende Schwarze“ heisst Marius Jung und ist Autor eben jenes Buches.

    Und nach solchen blöden diskriminierenden Kommentaren muss man sich gar nicht mehr über den hier und da sicherlich abgründig geschmacklosen Humor des Herrn Hagenbäumer und noch weniger über dessen Hausfarbe künstlich aufregen, sondern sollte sich als Autor lieber um seinen eigenen Balken kümmern:

    Alltagsrassissmus nennt man sowas, siehe auch http://www.boersenblatt.net/802691/

    Charmant, wie Hagenbäumer ihn auch hier wieder über Bande auffliegen liess.

  4. Die Kritik an „blöden diskriminierenden Kommentaren“ kann ich nachvollziehen. und auch, dass man sich um „den eigenen Balken“ kümmern solle. Intelligent ist immer besser – und aus Balken lassen sich Schachfiguren drechseln! Diskriminierte Schwarze und privilegierte (1. Zug!) Weiße.

    So, ich muss mich hier erst mal verabschieden, ich plane heute abend gemeinsam mit Commandante Höfinghoff den nächsten Polenfeldzug. Der Mann kennt alle Taktiken und Strategien, verbotene wie erlaubte! Und Commandante weiß sie zu nutzen. Guter Mann!

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